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Unter Männern | Schwul in der DDR

ein Film von Ringo Rösener und Markus Stein mit Jürgen Wittdorf, Christian Schulz, Helwin Leuschner, Eduard Stapel, Frank Schäfer, John Zinner, Jürgen Lemke, DE 2012, 91 Minuten, Deutsche Originalfassung, Farbe

Kurzinhalt

Schwulsein war im Sozialismus kein Thema. Das war ein „Überbleibsel dekadenter bürgerlicher Moral“ und würde sich schon von allein erledigen, dachte man. Da nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Verschärfung des § 175 anders als in der BRD im Osten wieder zurückgenommen wurde, konnte man dort zunächst freier leben – es wurde eben nur nicht darüber geredet. Wie man als Schwuler in der DDR gelebt und geliebt hat, davon erzählen in diesem Film sechs Männer – und sind sich dabei keineswegs immer einig. UNTER MÄNN ERN erzählt von Individualität in einem uniformen System.

Markus Stein über UNTER MÄNNERN

„Schwul in der DDR“. Das Thema versprach Ungehörtes, einen anderen Blick auf den real existierenden Sozialismus. Tatsächlich waren die Überraschungen schon in Ringos Recherchen groß: Verglichen mit dem Westen konnten Schwule nach dem Krieg im Sozialismus freier leben. Ganz anders als gedacht, wurden unsere ursprünglichen Erwartungen widerlegt: statt einer Reihe armer Unterdrückter trafen wir auf Menschen, die mit ihrem Leben als Teil einer Minderheit sehr unterschiedlich umgingen. Dabei waren die Berichte unserer Protagonisten privater, intimer und widersprüchlicher als vermutet. Schnell wurde uns klar, dass wir keine Erzählung von der DDR liefern werden, in der Schwule und ihr Leben als Dreingabe auftreten. Wir würden die DDR nur insoweit erzählen können, als sie für unsere Protagonisten von Belang war. Gegen Ideologie und gegen die heutige Erzählung von der überkommenen Ideologie der DDR konnten wir uns dem Thema nur über die Charaktere nähern. Nur so konnten wir gleichzeitig sie und ihre Zeit erspüren und erfahren. Aus den individuell sehr unterschiedlichen Lebenswelten einen Film zu gestalten, war die Herausforderung, die uns erlaubt hat zu sehen, wie festgefügt Geschichte oft dargestellt wird. Tatsächlich ist sie im Wandel und erst erlebbar, wenn man sich den Menschen intensiv nähert, die daran beteiligt waren.

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